Posologie
[Manish Bhatia]
Der Begriff Posology stammt von den griechischen Worten 'posos', welches 'wie viel' bedeutet, und 'logog', mit der Bedeutung 'Studium', ab. In der Homöopathie bedeutet Posologie Mitteldosierung. Eine homöopathische Dosis bedeutet Potenz, Menge und Form des Mittels, wie auch die Wiederholung.
Potenzwahl in der Posologie.
Welche Potenzen stehen zur Verfügung.
1. Die Centesimalskala,
von Hahnemann entwickelt, deutet auf die numerische Bezeichnung der Potenz hin,
zusammen mit einer Zahl nach dem Suffix C oder CH, zum Beispiel C30 oder C200.
2. Die Dezimalskala, von Hering
entwickelt, deutet auf die numerische Bezeichnung der Potenz hin, zusammen mit
einer Zahl und dem Suffix X oder D, zum Beispiel 200X, D200.
3. Die 50,000erskala oder
LM-Skala, auch bekannt als Quinquagintamillesimalskala
oder Q-Potenzen. Hahnemann entwickelte diese Skala während der letzten Jahre
seines Lebens.
Potenzen können allgemein als niedrig, mittel und hoch
klassifiziert werden. Eine niedrige Potenz liegt irgendwo bei Q bis C12, mittel
bei C12 bis C200 und hoch von C200 bis DM, MM, DMM.
Die Hochpotenzen erstmalig von Korsakoff
im Jahre 1834 hergestellt, aber sie kamen erst mit Jenichens
Hochpotenzen nach 1844 in weitläufigen Gebrauch.
Um auf die Frage der Potenzwahl zurückzukommen werden wir beginnen, die Ansichten berühmter Homöopathen aus unterschiedlichen Äras zu erforschen.
Hahnemann: begann erstmalig 1790 'ähnliche' Mittel
einzusetzen und 8 Jahre später begann er mit der allmählichen Verringerung der
Dosierung. Als Arzt war er zunehmend mit den Ergebnissen unter Verwendung dynamisierter
Mittel zufrieden, weshalb er sie bis zum Ende seines langen Lebens materiellen
Dosierungen vorzog.
Im Jahre 1798 begann er zum allerersten mal mit der Reduzierung der Dosis zu experimentieren. Dies schließt die 2X, 4X und C2 ein.
Nach Peter Morrels Forschung begann er 1799 die Dosis weiter auf 5X, 6X, C3, und 8X zu reduzieren. 1800 beginnt er die 10X zu verwenden, und 1803 erscheint zum ersten mal die C12.
1805 erscheint die 18 Centesimal-Verdünnung,
die sich als die konsistenteste bevorzugte Potenz seiner langen Karriere
erwies. 1816 erscheint die C30 zum ersten mal und
bleibt seine am häufigsten verwendete und am meisten empfohlene Potenz aller
Zeiten.
Weitere Entwicklungen schließen 1819 die erste Erwähnung der C6 ein und die erste Erwähnung der C60 im Jahre 1824. 1830 nennt er zum ersten mal den Geruchssinn als einen Weg zur Mittelverabreichung und dies bleibt bis zum Ende seines Lebens eine sehr beliebte Methode für Ihn. Schließlich, 1838, erscheinen die LM-Potenzen, er verabreichte aber weiterhin die C-Potenzen bei den meisten seiner Patienten. Während seines Lebens ist Hahnemann dafür bekannt gewesen, Potenzen nur bis zur C30 zu verwenden.
Farrington zitiert Frau Hahnemann
als sie sagte, dass er, wenn nötig, die 200. und 1000. benutzte. Die 1000., wie
auch immer, scheint er nur einmal benutzt zu haben.
Sogar während Hahnemanns Leben verlief ein Graben zwischen
den Homöopathen. Ein Teil vertraute der Verwendung potenzierter Mittel während ein anderer auf die Urtinktur auf Basis des
Ähnlichkeitsgesetzes schwur. Unter jenen, die die potenzierten Mittel
verwendeten, waren die meisten nicht von den hohen Potenzen begeistert. Während
Hahnemanns später Jahre, nahm die Zahl der Befürworter der Urtinktur ab und die
höheren Potenzen fanden immer mehr Verwendung. Homöopathen waren seither immer
über die Frage der Potenzwahl unterschiedlicher Meinung und sogar 160 Jahre
nach Hahnemanns Tod ist die Frage der Potenzwahl immer noch offen. Lassen Sie
uns einen Blick auf Ansichten führender Homöopathen unterschiedlicher Äras werfen.
Boenninghausen: Zeitgenosse
Hahnemanns, ein deutlicher Befürworter der Hochpotenzen. Er schrieb viele
Ausarbeitungen die Hochpotenzen unterstützen und führte viele Vorteile auf, so
wie -
1. Der Wirkbereich wird bei
Hochpotenzen stetig weiter, so dass sie bei chronischen Erkrankungen die
Heilung beschleunigen,
2. In akuten Krankheiten
erscheint der Erfolg früher, und
3. Sie wirken trotz einer Diät
nach freiem Ermessen.
T. F. Allen, Richard Hughes, Dr. Wilson, Dr. Henry Dearborn, J. H. Clarke, Dr. George Royal, Boericke, Pierce,
Edgar bevorzugten niedrige Potenzen und empfahlen diese in den meisten Fällen.
A Anderen wie Boenninghausen, Hering, Lippe,
Guernsey, Raue, Dunham, H. C. Allen, Kent, Boger, Nash, Roberts die mittleren und hohen Potenzen.
Dieser Liste können wir Namen wie Bell, Beronville, Borland, Stuart Close, Curie,
Dewey, Gross, Fincke, Swan, Skinner, Jenichen, Ghose, Grauvogl, Hubbard, Sir John Weir,
Margaret Tyler, Pulford, Templeton, Yingling, Waffensmith, P. P.
Wells and Pierre Schmidt usw. hinzufügen. Alle diese Homöopathen verwendet die höheren Potenzen mit großem Erfolg.
Modernen Homöopathen, wie George Vithoulkas, Rajan Sankaran, Jan Scholten, Prafull Vijayakar, Bill Gray, Robin Murphy, Alfons Geukens, Vesalis Ghegas, Massimo Mangilavori, Banerjeea, Anne Schadde, Luc de Schepper, Andre Saine, Eileen Naumann, Jayesh Shah, Jermey Sherr, Tinus Smits, Wolfgang Springer, Alize Timmermann usw. scheinen höhere Potenzen zu bevorzugen. Höhere Potenzen vorzuziehen bedeutet nicht die niedrigen auszuschließen. Die Meisterhomöopathen der Vergangenheit und der Gegenwart waren und sind in der Lage die gesamte Bandbreite der Potenzen zu verwenden, von der niedrigsten bis zur höchsten, immer in Abhängigkeit des Falles.
Die am häufigsten verwendeten Potenzen sind heutzutage C6,
C30, C200, 1M, 10M, CM und die LM-Skala.
Die LM-Skala = Q-Potenzen ist unter den Homöopathen noch
nicht so populär, hauptsächlich aus geschichtlichen Gründen. Sie scheinen nun
breitere Verwendung zu finden, weil moderne Homöopathen mehr und mehr mit ihnen
experimentieren. Schmidt, Künzli, Voegeli,
Patel, Chaudhary und Sankaran usw. haben über viele Heilungen bei der Verwendung
von LM-Potenzen berichtet.
Lassen Sie uns jetzt die Ansichten einiger dieser
Homöopathen im Detail ansehen.
Boger: scheint alle Potenzen
verwendet zu haben, war aber zum Teil mehr für die sehr hohen Potenzen. Seine
favorisierte Verschreibung scheint die Einzeldosis DMM gewesen zu sein.
Borland: sagt, um lediglich lokale Umstände zu behandeln, werden Mittel für das Organ oder Gewebe in niedrigen Potenzen benutzt, ebenso unter fortgeschrittenen pathologischen Umständen und bei sensitiven Patienten. Wenn auch noch Ähnlichkeiten im Allgemeinen, zusätzlich zu den örtlichen, vorhanden sind, können mittlere o. hohe Potenzen zu bevorzugen sein.
Er sagt auch, je akuter die
Erkrankung, umso höher die Potenz des Mittels.
Clarke: in der gewöhnlichen Praxis, bei Patienten mit akuten
Erkrankungen, die niedrigeren Verdünnungen von C1 bis C3 die nützlichsten sein
werden. Bei chronischen Erkrankungen wären die höheren Verdünnungen angebracht.
Close: stellt folgende
Überlegungen darüber an, was die Wahl der Dosierung beeinflusst -
1. Je stärker charakteristische
Symptome des Mittels in dem Fall vertreten sind, umso grösser
ist die Empfänlichkeit für das Mittel und umso höher
ist die erforderliche Potenz.
2. Alter: mittlere und höhere
Potenzen für Kinder.
3. Höhere Potenzen für
empfindliche, intelligente Personen.
4. Höhere Potenzen für Leute mit
intellektueller Beschäftigung oder sitzender Tätigkeit, und für solche, die
Aufregung ausgesetzt sind oder dem fortwährenden Einfluss von Drogen/Mitteln.
5. In Terminalstadien können
sogar Urtinkturen angemessen sein.
Er schreibt auch "Unterschiedliche Potenzen wirken
unterschiedlich in unterschiedlichen Fällen und Individuen zu unterschiedlichen
Zeiten unter unterschiedlichen Umständen. Alles kann benötigt werden. Nicht
eine Potenz, weder hoch noch tief, wird alle Anforderungen bei allen Fällen zu
jeder Zeit erfüllen“.
Curie: bei akuten Fällen niedrige Potenzen zu bevorzugen sind,
aber bei chronischen würden hohe Potenzen mehr Erfolg versprechen.
Edgar: berichtet davon, fünfundzwanzig Jahre lang Fälle
erfolgreich mit Niedrigpotenzen und Urtinkturen behandelt zu haben.
Gentry: fühlt, dass bei
fortschreitenden Erkrankungen wie Fieber und bei Ansteckung Mittel in mittlerer
oder niedriger Potenz zu geben sind.
Blackie: in Fällen mit organischen
Veränderungen aufgrund infektiöser Ursachen eine hohe Potenz diese aufheben
kann.
Grauvogl: zählt
einige Regeln zur Verwendung der Potenzen auf. Er schreibt -
1. Wenn wir auf einzelne Teile
einwirken müssen, gegen eine einzige qualitative Ursache, besser niedrige
Verdünnungen, so wie bei Hämorrhagie vor oder nach
einer Geburt.
2. Bei hohen Potenzen
verschwinden Symptome sanft ohne Spuren zu hinterlassen.
3. Wenn wir uns mit dem Wechsel
eines Prozesses von einer Reduktion zu einer Oxidation befassen, oder
umgekehrt, müssen wir niedrige Verdünnungen verwenden.
4. Aber um einen Prozess der
Verhaltung aufzulösen, sind hohe Potenzen indiziert.
5. Nahrhafte Mittel wirken besser
in niedriger Verdünnung, funktionelle Mittel in hohen Verdünnungen.
6. Ein chronischer Fall,
besonders bei Verhaltung und einer carbo-nitrogenoiden
Konstitution, kann am besten mit Hochpotenzen geheilt werden.
Kent: nicht nur ein Vertreter mittlerer und hoher Potenzen sondern er war auch der Prinzipiengeber einer Generation von Hochpotenzlern. Wegen seiner Studenten kamen hohe Potenzen in England in Mode. Kent wird immer noch als die Person angesehen, die die Verwendung hoher Potenzen am meisten für die homöopathische Gemeinschaft beeinflusst hat.
Kent hat folgendes geschrieben:
"Nach 30 Jahren sorgfältiger
Beobachtung und des Vergleiches der Verwendung unterschiedlicher Potenzen ist
es möglich, folgende Regeln aufzustellen: Jeder Arzt sollte die 30., 200., 1M.,
10M., 50M. CM., DM., MM. Potenz zu seiner Verfügung
stehen haben. In den 30. bis zur 10M. werden sich die nützlichsten heilenden
Kräfte für sensitive Frauen und Kinder finden lassen. Von der 10M. bis zur MM.
sind alle für gewöhnliche chronische Erkrankungen und für weniger sensitive
Personen nützlich. Bei akuten Erkrankungen sind die 1M. bis zur 10M. am
nützlichsten. Bei sensitiven Frauen und Kindern ist es gut zunächst die 30. und
200. zu verabreichen um es dem Patienten zu erlauben, allgemein Besserung zu
erlangen, danach kann die 1M (und 10M) ähnlicherweise verwendet werden.
Personen, die an chronischen Krankheiten leiden und weniger sensitiv sind, kann
die 10M als Erstes gegeben werden, unverändert für so lange, wie die Besserung
anhält; dann wird die 50M genau in gleicher Weise wirken“.
Ferner: "Wenn das Similimum
gefunden ist, wird das Mittel in einer Serie von Potenzen heilend wirken. Wenn
das Mittel nur zum Teil ähnlich ist, wird es in ein oder zwei Potenzen wirken
und dann werden sich die Symptome verändern und ein neues Mittel wird
angebracht sein“.
Nash: favorisierte ebenso stark die
mittleren und hohen Potenzen.
Pulford: "Niedrigere Potenzen dämpfen nur die Veranlagung (Palliation oder Unterdrückung)... Die schwach heilenden Mittel rangieren von der 30X bis zur CC (200.) Potenz, besonders
bei akuten Erkrankungen, die nicht von einer tiefen chronischen Krankheit Teil sind oder von ihr abhängen. Die mittleren heilenden Mittel rangieren zwischen der CC. zur 10M. Potenz,
wenn es sich um subakute Fälle
handelt, die alle auf einer tieferen Dyskrasie
aufliegen. Die höheren Potenzen rangieren für heilbare chronische Erkrankungen
von der 10M aufwärts“.
Roberts: bei sehr ähnlichen Symptomen so hoch gehen können wie wir möchten. Je weniger sicher wir über die Ähnlichkeiten sind, umso niedriger ist die Potenz zu wählen.
Als Regel gilt, wenn es eine
Pathologie gibt, kann eine mittlere oder hohe Potenz gefährlich sein.
Sir John Weir: niedrige Potenzen
für körperliche Erkrankungen, äußere Umstände, Hautprobleme usw. verwendet
werden sollen. Bei mentale Symptome werden
Hochpotenzen benötigt.
Constantine Hering: "Wenn die Symptome des Falles allgemein größere Ähnlichkeit zu den primären Symptomen des Mittels haben, dann empfehle niedrigere Potenzen, im Gegensatz dazu, bei
größerer Ähnlichkeit mit späteren
Wirkungen, dort die höheren Potenzen“.
Fergie Woods: hohe Potenzen können bei sensitiven Patienten verschlimmern. Bei organischen Veränderungen sind niedrige Potenzen vorzuziehen. (Bei Phos. und Lach. begann er grundsätzlich
nur mit der C12. Er äußert außerdem,
dass hohe Potenzen hauptsächlich deshalb länger zu wirken scheinen, weil wir
Hochpotenzen dann geben, wenn wir uns des Similimums
sicherer sind.
Yingling: bemerkenswerte Geburtshelfer,
"Es steht außer Frage, dass Urtinkturen und sehr niedrige Potenzen heilen werden, wenn sie zu den Krankheitsumständen homöopathisch sind. Die Erfahrung lehrt und beweist uns dies ohne jeden Zweifel. Aber die Erfahrung beweist voll und ganz und begründet die Tatsache, dass die hohen und höheren Potenzen prompter und fähiger wirken und auch Fälle heilen, besonders chronische Erkrankungen, welche Urtinkturen nicht antasten können. Es ist falsch anzunehmen, dass die Hochpotenzen sich in der Therapie chronischer Krankheiten hervortun und bei akuten Krankheitsphasen ineffizient seien. Meine Erfahrung reicht dahin zu beweisen, dass Hochpotenzen verlässlicher und effizienter in akuten Fällen sind und diese vorzeitig beenden oder auf wenige Tage beschränken, während Urtinkturen viele Tage oder Wochen benötigen würden um das Gleiche zu bewirken“.
Hubbard: bei psychischen Erkrankungen werden Hochpotenzen eingesetzt. Funktionelle Erkrankungen mit subjektiven Symptomen werden ebenso gut auf Hochpotenzen ansprechen.
Akute Erkrankungen, sogar mit pathologischen Veränderungen, benötigen ebenso Hochpotenzen, während bei akuten Krisen chronischer Krankheiten, so wie Herzasthma, mittlere oder niedrige Potenzen vorzuziehen sind. Bei chronischen Krankheiten ist es sicherer mit einer C200 zu beginnen. Sie bevorzugt Hochpotenzen in Fällen mit deutlichen mentalen Symptomen.
Sie schreibt auch: "In hoffnungslosen Fällen, wo der Überlebenskampf im Gange ist, bei akuten Krankheiten sind Hochpotenzen indiziert; ebenso wenn der Überlebenskampf sein
Endstadium der chronischen
Krankheit erreicht hat, werden sehr hohe Potenzen die Euthanasie einleiten. Bei
chronischen, unheilbaren Krankheiten sind niedrige und mittlere Potenzen
geeignet, solange die Vitalität sehr gut ist und die Pathologie noch nicht zu
extrem ist“.
Sie schreibt weiterhin: "Der Grad der Empfänglichkeit
unseres Patienten beeinflusst ebenfalls die Potenzwahl. Bestimmte Personen sind
überempfindlich (oft wegen ungeeigneter homöopathischer Behandlung) und diese
werden alle Mittel, die Sie ihnen geben, prüfen; diese benötigen deshalb
mittlere und niedrige Potenzen. Andere Patienten reagieren sehr träge (oftmals
wegen zu starker allopathischer Medikation). Diese brauchen oft sehr hohe
Potenzen um überhaupt eine Wirkung zu zeigen, oder sie benötigen eine niedrige
Potenz, die alle paar Stunden wiederholt werden muss, bis eine günstige
Reaktion einsetzt. Eine dritte Art von Patienten ist die schwächliche, bei
denen die Lebenskraft leicht überwältigt werden kann. Die Wiederholung ist hier
die grösste Gefahr. Akut erkrankte, robuste Patienten
werden der Wiederholung hoher Potenzen bis eine günstige Wirkung eintritt
widerstehen, obwohl die Einzeldosis das Ideal wäre. Kinder stecken hohe
Potenzen besonders gut weg, und im Allgemeinen benötigen sehr Alte mittlere
Potenzen, ausser zum Zwecke der Euthanasie. Manche
Individuen habe sogar Idiosynkrasien gegenüber
homöopathischen Potenzen gewisser Substanzen. Ein gewisser Grad an
Idiosynkrasie gegenüber eines Mittels muss vorhanden sein, sonst wird der Patient
nicht sensitiv genug für eine Heilung sein, aber wenn dies extrem ist, dann
sollten niedrige oder mittlere Potenzen bevorzugt werden. In Fällen, in denen
der Patient ständig durch eine Urtinktur vergifted
ist, als allgemeine Regel, ist es besser, das Antidot
in hoher Potenz zu geben“.
P. Sankaran hat einige vorläufige
Regeln zur Potenzwahl dargelegt -
1. Wenn in einem Fall die
Symptome des Patienten sehr gut mit dem Symptomenbild
des Mittels übereinstimmen, und wenn besonders die mentalen Symptome vorhanden
und klar ausgebildet sind, dann scheint eine Hochpotenz ratsam zu sein.
2.(a) Wenn die Überseinstimmung der Symptome wegen Mangel an Symptomen gering ist,
(b) wenn die Verschreibung nur oberflächliche oder örtliche Umstände wie z.B. Hauterscheinungen wie eine Warze abdeckt,
(c) wo pathologische Symptome überwiegen, wie Krebs, kongestives Herzversagen, usw.,
(d) wo nur eine Palliation angestrebt wird, weil der Patient unheilbar ist
und eine sehr schwache Vitalität besitzt, scheinen Niedrigpotenzen ratsamer.
3. Gewisse Mittel wirken besser
in bestimmten Potenzen. Zum Beispiel scheinen Mittel wie Apocynum
cannabinum, Sabal serrulata, Ornithogallum umbellatum, Hydrocotyle asiatica, Passiflora incarnata, Crataegus oxycantha,
Adonis vernalis, Strophanthus
hispidias, Carduus marianus, Blatta orientalis, usw. besser als O. zu wirken.
4. Nosoden
scheinen besser in hohen Potenzen zu wirken, z.B. C200 und höher.
5. Was Darmnosoden
cvb betrifft, gelten bestimmte Regeln. Wenn es sich
um einen neuen Fall handelt und der Patient hat bisher noch keine potenzierten
Mittel eingenommen, kann eine mittlere oder hohe Potenz gegeben werden, falls
die Darmnosode klar indiziert ist. Wenn der Patient
innerhalb der letzten 3 Monate irgendeine Potenz erhalten hat, ist es weise,
eine Niedrigpotenz zu geben. John Paterson schreibt, dass bei Anwesenheit
deutlicher pathologischer Anzeichen niedrige Potenzen (unter C6) einmal täglich
gegeben werden können. Bei akuten Erkrankungen ist eine hohe Einzeldosis
vorzuziehen. In akuten Phasen chronischer Erkrankungen können hohe Potenzen mit
Wiederholung in Intervallen gegeben werden.
6. Wenn der Patient bereits ein tiefwirkendes konstitutionelles Mittel in hoher Potenz
erhalten hat, und wenn er sich unter dessen Wirkung bessert, aber
oberflächliche störende Symptome entwickelt hat, dann kann eine niedrige Potenz
eines Komplementärmittels verschrieben werden, um diese Symptome zu lindern.
7. Kinder scheinen Hochpotenzen
dank Ihrer Vitalität gut zu tolerieren, während alte Personen diese hohen
Potenzen nicht so gut vertragen könnten.
8. Wenn der Patient für Mittel
überempfindlich reagiert, dann ist es weise, eine niedrige Potenz zu verwenden.
9. Wenn die Reaktion schwach ist
und ein Reaktionsmittel verschrieben wird um diese zu verbessern, z. B. Carbo veg., dann ist eine hohe Potenz vorzuziehen.
10. Möglicherweise intelligente
und sensitive Patienten und jene die sich geistig beschäftigen, benötigen
höhere Potenzen, während die Trägen und die Zurückgebliebenen und jene die
körperlich arbeiten die niedrigeren brauchen könnten. Wenn man diese Idee
weiter spinnt, so erscheint es, dass die weniger hoch entwickelten Tiere
niedrigere Potenzen benötigen könnten.
11. Bestimmte Potenzen können bestimmte Wirkungen erzeugen, d.h., es wird gesagt, dass Sil. in Niederpotenz verabreicht Eiterung fördert, während es als Hochpotenz verabreicht Eiterung vorzeitig beendet.
Rajan Sankaran:
"Die Wahl der Potenz hängt von ...der Intensität, Klarheit und
Spontaneität der ausgedrückten Symptome ab - besonders der sonderbaren
Symptome, welche die Individualität der Person widerspiegeln. Beachten sie
folgendes:
Ein Patient kommt und sagt: "Ich weiß nicht warum, aber
ich fühle oft dass ich arm bin, dass ich wie ein Bettler aussehe und zerlumpte
Kleidung trage“. Hier haben wir einen intensiven, klaren und spontanen
Ausdruck. In einem solchen Fall würde ich fast ausnahmslos eine Hochpotenz
(wahrscheinlich 10M) verabreichen; alle anderen Überlegungen, wie die
Pathologie usw. wären sekundär.
Natürlich hängt die Potenz auch von der Nähe (Ähnlichkeit)
des Mittels zu dem Fall ab. Der Patient mag Klarheit über seine Symptome haben,
sie mit Intensität und Spontaneität ausdrücken, aber das gewählte Mittel vermag
diese Gefühle nicht so intensiv und klar zu besitzen. In einem solchen Fall
hängt die Potenz von dem Masse ab, in dem das Mittel die Gefühle des Patienten
ausdrückt“.
Rajan Sankaran
ist bekannt dafür, LM-Potenzen zu verwenden wenn der Patient sehr übersensibel
ist.
George Vithoulkas:
"Menschen mit schwacher Konstitution, alte Leute und solche, die übersensibel reagieren, erhalten am besten zuerst Potenzen von der D12 und Q3 bis zur C200. Höhere Potenzen regen
einen geschwächten
Abwehrmechanismus nämlich zu stark an, und es tritt eine unnötig schwere
Erstverschlimmerung ein. Vor allem trifft das auf Patienten mit Gewebsveränderungen zu.
Überempfindliche
Patienten...sprechen sehr empfindlich an, und zwar hinsichtlich der
körperlichen Ebene auf niedrige Potenzen und hinsichtlich der tieferen Ebenen
auf sehr hohe Potenzen. Deshalb ist es bei ihnen besser, als anfängliche
Einzelgabe keine andere Potenz als C30 oder C200 zu verordnen.
Kinder mit ernsten
gesundheitlichen Problemen sollten im allgemeinen niedrigere Potenzen erhalten....Auch was bösartige Erkrankungen betrifft, sollte das
erste Mittel die C200 nicht überschreiten.
Hingegen können Patienten, die
allem Anschein nach problemlos heilbar sind und kaum pathologische Gewebsveränderungen zeigen, von Anfang an höhere Potenzen
bekommen - von der C30 bis zur CM. Letztlich hängt die Potenz davon ab, wie
sicher man ist.
Arzneien wie Lachesis,
Aurum und tiefwirkende Nosoden zeigen starke Tendenzen zu pathologischen Organveränderungen. Aus diesem Grund sollte man sie
hauptsächlich in niedrigeren Potenzen (C30, C200 oder Q-Potenzen) einsetzen, es
sei denn, es ist sicher nachgewiesen, dass bei dem Patienten keine negativen
Gewebeschäden vorliegen.
Kindern mit akuten Erkrankungen
gibt man normalerweise keine Potenzen unter C200...Bei älteren Menschen, die
unter chronischer Schwäche o. infolge einer akuten Erkrankung leiden,
fängt man am besten mit der C200 an“.
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So sehen wir, dass trotz der Unterschiede in den Richtlinien
der Potenzwahl die meisten modernen Homöopathen eine Übereinstimmung der
Faktoren, welche die Potenzwahl beeinflussen haben. Diese schließen ein:
1. Gewissheit über das gewählte
Mittel
2. Das Reich des Mittels (Quelle)
3. Alter des Patienten
4. Geschlecht des Patienten
5. Beruf des Patienten
6. Empfindlichkeit des Patienten
7. Vitalität des Patienten
8. Natur des Patienten
9. Art der Störung - Funktional
oder Pathologisch
10. Ernsthaftigkeit der
Pathologie
11. Akute oder chronische Natur
der Erkrankung
12. Klarheit und Fülle der
mentalen Symptome
13. Art der gewünschten Reaktion
- Palliation oder Heilung
14. Niveau der
Arzneimittelprüfung
15. Natur des Mittels
16. Miasma des Patienten
Die Richtlinien die von Hubbard, P. Sankaran, Vithoulkas und Rajan Sankaran gegeben wurden, fassen mehr oder weniger die klinische Annäherung zusammen, der man zur Potenzwahl folgen sollte. Das einzige Problem, das wir dieser Tage sehen ist, dass eine große Mehrheit Homöopathen mit einer sehr eingeschränkten Bandbreite von Potenzen arbeitet. Da scheinen Zögerlichkeiten vorzuherrschen, sehr niedrige Potenzen wie Urtinkturen, 1X, 2X usw. zu verwenden und gleichzeitig sind die meisten nicht bereit sehr hohe Potenzen wie CM, MM, DMM zu versuchen.
Aus diesem Grund erzielt ein richtig gewähltes Mittel oft
nicht den erhofften Erfolg und anstatt die Potenz zu wechseln, wechselt der
Homöopath oft das Mittel.
Ein Homöopath sollte der vollen Bandbreite seiner verfügbaren Potenzen aufgeschlossen gegenüberstehen. Die Sicherheit in der Potenzwahl steigt mit der Erfahrung. Wenn Sie in Ihrer Mittelwahl zuversichtlich sind und die gewünschte Wirkung tritt nicht ein, versuchen Sie die Potenz nach oben oder unten zu verändern bevor Sie das Mittel selbst wechseln. Sie sind in der Mittelwahl nicht flexibel; um zu heilen, muss ein Mittel ähnlich sein, aber sie können in der Potenzwahl flexibel sein. Ein bestimmter Fall vermag auf mehr als eine Potenz des gleichen Mittels zu reagieren. Wenn sie die Potenz wählen, erinnern Sie sich einfach Hahnemanns Worten, daß die beste Heilung schnell, sanft und dauerhaft zu sein hat. Die Dinge werden von da an einfacher werden!
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