Drogen allgemein Schnüffelstoffe

 

[werner werner stangl]s arbeitsblätter

Das Einatmen der Dämpfe verschiedener organischer Lösungsmittel löst im Gehirn Rauschzustände aus. Die Wirkungen erfolgen über innere Unruhe bis zur Erregtheit, Übelkeit und

das Gefühl der Atemnot. Bei Fortdauern des Rauschzustandes tritt ein Entspannungszustand ein, der als angenehm erlebt wird. Nach regelmäßiger Inhalation stellt sich eine körperliche

Abhängigkeit ein. Diese Lösungsmittel findet man z.B. in Klebstoffen, Lacken, Farbverdünnungen, Putzmittel, Benzinen, Filzschreibern, Nagellackentfernern, Haarsprays.

Gebräuchliche Stoffe sind Kohlenwasserstoffe und chlorierte Kohlenwasserstoffe, wie sie etwa in Benzin oder Fleckenwasser enthalten sind. Auch werden Stoffe wie Butan- o. Flüssiggas geschnüffelt, in ärmeren Ländern sogar anscheinend Klosteine (enthalten etwa Paradichlorbenzol und Naphthalin).

(Feuerzeug- und Campinggas im Handel frei erhältliche Butangas ist in jüngster Zeit in Zusammenhang mit einigen Todesfällen ins Gerede gekommen).

Akute Wirkung: Gehobene Stimmung; kurzer, intensiver Rausch; Erleben für kurze Zeit distanziert und gelöst. Es wird von kurzfristigen emotionalen Überreaktionen infolge Kontrollverlusts

über das Gefühlsleben berichtet. Nebenwirkungen: Häufig Übelkeit bis zum Erbrechen, mitunter bedrohliche Unterversorgung des Gehirns und anderer Organe mit Sauerstoff. Das Risiko liegt insbesondere in der Schwierigkeit der Dosierung und der möglichen Unterversorgung des Gehirns mit Sauerstoff.

Dem Schnüffler fallen meistens, wie auch bei allen anderen Drogen, Kinder und Jugendliche aus sozial schwachen Strukturen zum Opfer. Oftmals wird aus Neugier ein überall erhältlicher

Klebstoff ausprobiert. Erstaunlich ist, daß die Schnüffler zu keinem Zeitpunkt physisch abhängig sind. Trotz dieser Tatsache ist die Rückfälligkeit ähnlich der von Kokain und Opium. Es wird oftmals bis ins Erwachsenenalter hinein geschnüffelt. Im einzelnen spielen sich beim Schnüffeln die Phasen einer Inhalationsnarkose ab, und zwar unterschiedlichen Zeitverhältnissen.

Bei den ersten Atemzügen können Reizerscheinungen der oberen Atemwege, Atemnot, Herzklopfen und Blutdrucksteigerungen auftreten. Bei weiterem Einatmen kann es zur Euphorie kommen.

Die Personen können in solchen Stadien wie alkoholisiert wirken. Bei etwas tieferen Stadien treten Verkennungen der Umwelt und von Gegenständen auf. Die Farbwahrnehmung und die

akustischen Sinneseindrücke können verändert sein. Schließlich treten insbesondere in den ersten sechs Monaten des Missbrauchs halluzinatorische Erlebnisse auf. Sie betreffen häufig kleine bewegte Objekte wie Spinnen, Käfer, Ameisen oder Blätter. Für die Intoxikationsperiode kann ein teilweiser oder totaler Erinnerungsverlust bestehen. Für den Außenstehenden zeigt sich das Bild einer ausgeprägten Lösemittelvergiftung in Form von Gang-, Stand- und Bewegungsstörungen. Die Personen torkeln und lallen, bewegen sich ungeschickt oder sogar selbstgefährdend, sie wirken psychisch verändert, umdämmert, verwirrt, häufig auch distanzlos, gereizt und enthemmt und in späteren Stadien apathisch oder schläfrig. Bei Fortsetzung kommt es zum Tiefschlaf, schließlich bis zum Koma.

Für den Notfall: Rettungsdienst bei Atem- und Herzstillstand bzw. Bewusstlosigkeit rufen, inzwischen für eine stabile Seitenlage sorgen, geschlossene Kleidung öffnen und für Frischluftzufuhr sorgen. Bei der betreffenden Person bleiben, bis die Rettung kommt. Eventuell Sicherstellung von Spraydosen, damit die Rettung weiß, was konsumiert wurde.

Zu den Schnüffelstoffen zählen, neben Poppers, eine Reihe weiterer psychoaktiv wirksamer Substanzen, die durch Inhalation über Mund oder Nase aufgenommen werden: Klebstoffe, chemische Fleckenmittel, Farbentferner und -verdünner, Nagellackentferner, Treibmittel in Sprühdosen, wie Farb-, Lack-, und Haarsprays, Fahrzeugbenzin, Stickstoffmonoxid, Halothan oder Amylnitrit Das Inhalieren mancher Farben, Klebstoffe und Gase ist besonders schädlich und kann zu langen Konzentrations- und Koordinationsschwierigkeiten sowie bleibenden Gehirnschäden führen. Da die meisten als Schnüffelstoffe verwendeten Substanzen im Alltagsgebrauch für andere Zwecke eingesetzt werden, unterliegen die Inhalantien nicht dem Suchtmittelgesetz.

Akute Wirkung

    gehobene Stimmungslage

    zu Beginn: Übelkeit, Kopfschmerzen, Herzrasen

    innere Unruhe, Erregtheit, Gefühl der Atemnot

    Fortdauer: Entspannung, Dämmerzustand (veränderte Sinneswahrnehmung)

Chronischer Mißbrauch

    Schädigung der Leber

    Risiko einer Leberzirrhose und einer Leberzellkrebserkrankung wird erhöht

    chronische Nervenentzündung

    Reduzierte Denk- und Merkfähigkeit

Gefahren:

    Tod durch Atemlähmung

    gesteigerte Herzfrequenz kann zum Herztod führen

           

Schon vor vielen Jahren wurde die Existenz von drogenähnlichen Substanzen (Exorphine) in einigen alltäglichen Nahrungsmitteln vermutet und man fand opiatähnliche Aktivität bei Weizen, Mais und Gerste, bei Kuh- und Muttermilch entdeckte man das Kasomorphin, wobei das Exorphin des Getreides stärker wirkt als das Kasomorphin der Kuh.

 

 

Vorwort/Suchen                                Zeichen/Abkürzungen                          Impressum