TCM
Ist ein etwa 6000 Jahre altes eigenständiges Heilkundesystem, das vor dem Hintergrund der daoistischen Lehre entstand.
Im Verlaufe ihrer langen Geschichte gab es Phasen unterschiedlicher Qualität. In den fünfziger Jahren wurde die bis dato im Niedergang begriffene TCM von der chinesischen Regierung stark gefördert und Akademien für TCM gegründet. In dieser Zeit der „Revitalisierung“ der TCM wurde jedoch eine pragmatische Kurzversion der TCM kompiliert. Ab den 70er Jahren spielten die Verfahren der TCM, allen voran die Akupunktur, auch als Exportartikel eine Rolle. Die Grundlage der an Ausländer „verkauften“ Kurse waren und sind hingegen die zumeist schon verkürzten,
stark schematisierten und irrationalen
chinesischen Ausbildungsgänge der Revitalisierungsphase.
Nach neueren Erkenntnissen werden die Begriffe der TCM nicht
als philosophisch-mystische Kategorien, sondern als termini
technici der Regulation verstanden. Sie sind danach geeignet, den regulativ
bedingten Zustand des Menschen zu beschreiben und so ein funktionelles
Zustandsbild zu erheben. Hier ergänzt die TCM die westliche Medizin auf ideale
Weise, da die vegetativen Funktionen und deren Anteil am Krankheitsgeschehen
präzise beschrieben und eingeschätzt werden können (funktionale Diagnose der
Chinesischen Medizin). Auf diese Weise werden sonst kaum oder gar nicht
messbare Krankheitsursachen erfasst und einer Therapie zugänglich gemacht. Dieser
funktionalen Diagnose liegen genaue regulative Physiologiemodelle zugrunde, die
mit gleichsam mathematischer Stringenz, vergleichbar einer Computersprache, die
physiologischen und pathologischen Funktionen des Menschen beschreiben können.
In dieser wissenschaftlichen Chinesischen Medizin nach dem
Heidelberger Modell können die wesentlichen neuro- und humorovegetativen
Mechanismen plausibel postuliert werden. So entmystifizieren und versachlichen
sich die chinesischen, mit den westlichen Medizinbegriffen zunächst
unvereinbaren Termini. Begriffe wie der „Leberfunktionskreis“ (orbis hepaticus) und andere als
„Organe“ missverstandene Grundlagenbegriffe stellen sich als spezifische
neurovegetative Grundverschaltungen dar. Auch Krankheitsauslöser wie beispielsweise
„Wind“ (ventus) stellen sich physiologisch als
Derivate eines Zugluft-Abwehrreflexes dar. Sie können über den Mastzell-Substanz-P Mechanismus zur Schwellung von Augen,
Nase und Tonsillen, durch Auslösung motorischer Reflexe aber auch zu Tortikollis oder Myogelosen
führen. Nach dem Prinzip „form follows function“ äußern sich Funktionen schließlich auch in der
Struktur des Körpers und werden so allmählich „organisch“ (Strukturveränderung).
Die TCM kennt eine systematische Lehre von Funktions- und Strukturdefizienzen.
Die der chinesischen Medizin zugrundeliegenden
neurologischen Verschaltungen werden über eine ausgeklügelte systematische Symptomenlehre ermittelt. Das Symptom wird dabei als
unmittelbarer differenzierter Ausdruck der Funktion systematisch gewertet.
Chinesische Medizin wird daher hier als Systematik der Befindlichkeiten und
Befunde eines Patienten definiert, die das Ziel hat, einen neurovegetativen
funktionellen Status des Patienten zu entwickeln. Patientennah ausgedrückt
bedeutet dies, dass die Empfindungen des Patienten im Mittelpunkt einer
funktionalen Bestandsaufnahme stehen.
Dr. med. Johannes Greten 2004
Cracking the
Code
Chinesische Medizin als technisch-regulatives System
Die innere Logik der Chinesischen Medizin (CM) zu entdecken
und nach einem stringenten Behandlungsplan zu therapieren, macht nicht nur mehr
Spaß, sondern ist
auch erfolgreich. Erste Zahlen der Universität Heidelberg
zeigen es: Akupunktur nach definierter chinesischer Diagnose schlägt
Rezeptakupunktur um Längen. Aber
wie definiert man die Diagnose? Das Heidelberger Modell der
CM hilft hier weiter.
Es versteht die Chinesische Diagnose als einen vegetativen
Funktionszustand, den man mit beinahe mathematischer Stringenz erheben kann.
Grundlage dieses Modells
ist die Vorstellung, dass Yin,
Yang und Wandlungsphasen nicht nur philosophische Begriffe darstellen, sondern
als technische Begriffe der Regulationslehre
(Kybernetik) interpretiert werden.
Chinesische Medizin: Wissenschaft oder Exportartikel?
In den fünfziger Jahren wurde die bis dato im Niedergang
begriffene CM von der chinesischen Regierung stark gefördert, und es wurden
Akademien dafür gegründet.
In dieser Zeit der „Revitalisierung“ wurde eine pragmatische
Kurzversion der CM kompiliert, in der die theoretische Grundlagen notgedrungen
zurücktraten.
Ab den 70er Jahren spielen die Verfahren dieser (T)CM, allen
voran die Akupunktur, auch als Exportartikel eine Rolle. Die anscheinende Irrationalität
der verkürzten
Exportversionen und die Pluralität der Chinesischen Medizin
und ihrer Methoden können zu dem Missverständnis Anlass geben, diese hätte kein
nachvollziehbares
theoretisches System zur Grundlage. Auf der Basis der bahnbrechenden sinologisch-medizinischen Pionierarbeit
Prof. Manfred Porkerts wurde in Heidelberg ein
Modell zum Verständnis der CM entwickelt, das die Stringenz
der klinischen Kategorien der chinesischen Klassiker bewahrt und zugleich einen
technisch plausiblen
Zugang zur Behandlung erlaubt. Es betont den Wert der
inneren Logik der CM und stellt sie erstmals umfassend als ein geschlossenes,
stringent physiologisches
Heilsystem dar1.
Jede Diagnose ist eine Therapieanweisung. Der Prozess der
Diagnosefindung ist daher, wie in jeder Heilkunde, das zentrale Problem der CM.
Die Begriffe der CM werden nach dem Heidelberger Modell als termini technici der Regulation verstanden. Sie sind
geeignet, den regulativ bedingten Zustand des Menschen zu
beschreiben und so ein funktionelles Zustandsbild zu erheben
(funktionale Diagnose der Chinesischen Medizin).
Hier ergänzt die CM die westliche Medizin auf ideale Weise,
da die vegetativen Funktionen und deren Anteil am Krankheitsgeschehen präzise
beschrieben und eingeschätzt
werden können.
Leitkriterien sind regulative Physiologiemodelle Das
biologische Netzwerk Mensch ist polyfaktoriell und
daher nicht linear zu beschreiben.
In der CM haben sich vier Hauptbeschreibungsmodelle entwickelt, um die komplexen Zusammenhänge der Körperregulation zu ordnen.
Die grundlegenden Gedanken dieser Systematik sind ca. 2.000
Jahre alt, wurden aber erst vor ca. 300 Jahren als so genannte Leitkriterien zusammengefasst.
Im Kern beschreiben
diese Leitkriterien die Regulation des Menschen auf vier
verschiedenen physiologischen Ebenen, die zusammen ein komplexes Netzwerkregulationsmodell
darstellen.
4 Ebenen der Steuerung: 1. neurovegetativ,
2. humorovegetativ
3. neuroimmunolgisch
4. zellulär.
Sind nach westlichem wie nach chinesischem Verständnis auf
das Engste miteinander verbunden. Die CM hat nun eine klinische Zeichenlehre
entwickelt, mit der
man den regulativen Zustand jeder dieser Steuerungsebenen an
Hand der klinischen Symptomatik ermitteln kann. Besonders am Beispiel der
Physiologie des ersten Leitkriteriums
kann man dieses in den Grundzügen leicht nachvollziehen. In
dieser Theorie werden, westlich betrachtet, die primär neuro-vegetativen
Krankheitszeichen systematisiert.
Was ist dran an Yin und Yang?
Die technisch-regulative Dimension von Yin,
Yang und den Wandlungsphasen lässt sich an einem Analogiebeispiel der Regulation
der Temperatur in einem Wasserbecken erklären:
In der Versuchsanordnung bringt ein Tauchsieder das Wasser auf eine bestimmte Solltemperatur (hier: 37° C).
Abbildung 1.

Sollwert Auf Grund der systemimmanenten Schwankungen bewegt
sich der Istwert um den annähernd sinuskurvenartig (siehe
Abb. 1). In einem solchen sinusartigen Verlauf befinden sich
nahezu alle einfach regulierten biologischen Systeme. Aus diesem Grund eignet
sich eine solche regulative
Betrachtung zur Wertung vieler biologischer Phänomene. Die
CM hat eine eigene Sprache entwickelt, solche Sollwertschwankungen eindeutig zu
bezeichnen.
Im Kern geht es darum: Yang-Zustände sind über dem Sollwert,
Yin-Zustände sind unter dem Sollwert. Die Wandlungsphasen
(WP) bezeichnen die Abschnitte (Quadranten) dieser
Sinuskurve.

Wendet man diese regulative Theorie auf die vegetative
Gesamtaktivität an, so zeigt sich, westlich betrachtet, eine große Zahl von
Übereinstimmungen mit der klassischen
Zeichenlehre der CM.
Abb. 1: Versuchsanordnung und Darstellung der
Temperaturschwankungen.
Der Temperaturverlauf des Wasserbeckens ist nicht etwa
konstant (Gerade), sondern eher sinuskurvenähnlich.
Wir wollen diesen Verlauf kurz nachvollziehen: Dabei sei die Temperatur auf der y-Achse aufgetragen und die Zeit auf der x-Achse, die der Soll-Temperatur entspricht.
Beim Einschalten des Systems wird die Solltemperatur durch
Anheizen des Heizstabes erhöht (gestrichelter Verlauf).
Phase I: Erreicht die Temperatur den Sollwert, so schneidet der Thermostat die Stromzufuhr ab. Dennoch ist der Tauchsieder aber noch deutlich heißer als das Wasser, etwa analog einer
Kochplatte, die nach dem Abschalten noch eine Weile heiß bleibt. Diese Nachwärme sorgt für ein Ansteigen der Temperatur über das Soll. Dabei erhöht sich der Energiegehalt
(Potenzial) des Beckens.
Phase II: Wenn die Nachwärme verbraucht ist, wird Wärme, Energie, nach außen abgegeben. Dabei nähert sich die Temperatur dem Sollwert wieder, so dass der absteigende Verlauf der
Sinuskurve, die in dieser Phase
insgesamt über dem Sollwert liegt, entsteht.
Phase III: Der Sollwert wird unterschritten, der Thermostat schaltet den Heizstab wieder ein. Aufgrund der technischen Trägheit des Systems dauert es, bis die Temperatur des Heizstabes die
Temperatur
des Wassers übersteigt. So fällt die Temperatur bis unterhalb des Sollwertes
weiter ab. Der Energiegehalt ist also in der Richtung sinkend.
Phase IV: Regeneration des Energiegehaltes: Nun steigt die Temperatur wieder in Richtung auf den Sollwert an. Das entspricht sozusagen einer Wiederherstellung, Regeneration des
Wärmegehaltes (der Energie).
Abb. 2: Postulierte vegetative Systeme und die Zuordnung zu Wandlungsphasen der chinesischen Medizin.
Der Temperaturverlauf entspricht technisch betrachtet der Energie des Becken-1 Inhaltes, der Wärmemenge. Daher besteht in den Phasen I und II (chin. im Yang) ein höherer Energiegehalt
als in den Phasen III und IV (chin.
im Yin).
Die Analyse der Quadranten der Kurve, der WP, ergibt weitere
Analogien:
• In der Phase I wird das
Energiepotenzial bereitgestellt (Phase der Bereitstellung von Potenzial). Dies
entspricht den Kennzeichen der WP Holz
• In der Phase II dieses
Potenzial abgegeben wird, um das System zum Sollwert zurückzuführen. Energie
ist technisch definiert die Bereitschaft, Arbeit zu leisten,
insofern kann man die Phase II als die Phase der Energieabgabe zum Sollwert hin bezeichnen. Dies entspricht den Kennzeichen der WP Feuer
• In der Phase III fällt der Energiegehalt des Wasserbeckens weiter unter das Soll. Aus diesem Grunde könnte man in dieser Phase III, nach dem Wendepunkt, von einer
energetischen Abschlaffungsphase sprechen. Mit Einsetzen dieser Phase ist zugleich die halbe Wellenlänge definiert. Somit hat die Phase III in einem technischen
Sinn eine „Nachwendepunkt-Charakteristik”, die die Rhythmik des Systems bestimmt. Dies entspricht den Kennzeichen der WP Metall
• Die Phase IV kann man, vom Energiehaushalt aus betrachtet, als Regenerationsphase bezeichnen, da sich hier die Energie des Systems zum Sollwert hin wiederherstellt.
Dies entspricht den Kennzeichen der WP Wasser Man kann statt der Temperatur im Wasserbecken die vegetative Gesamtaktivität eines Menschen als Sollwert in die Sinuskurve
einsetzen und die für diese regulativen Vorgänge westlich postulierten Transmitter-und Hormonsysteme eintragen (siehe Abb. 2).

. 4: Der Hepatische Orbis FK „Leber“. Die neurologischen Schaltkreise, die man als Orbes /FK bezeichnet, sind Manifestationen einer Wandlungsphase. In der Abbildung werden
Symptome in der Sprache der CM fett schwarz gedruckt, die neurologischen Funktionen, mit denen die westliche Medizin diese Symptome erklären würde, kursiv bezeichnet.
Daraus geht hervor, dass die in der CM verwendeten Symptombezeichnungen der Abbildung überwiegend Ausdruck neuro-vegetativer Funktionen sind. Die skizzierten Funktionen
werden mit der Terminologie der CM technisch mit einer ganz anderen
Sprache bezeichnet als dieses westlich der Fall wäre, so dass die Fachsprache
der TCM im
Westen häufig missverstanden, mystifiziert oder pseudo-wissenschaftlich verdreht wird. Der Begriff der „Leber“ bspw. würde in der CM etwas grundlegend anderes implizieren als
der westliche Begriff.
Man könnte frei übersetzen: Gruppe von diagnostischen Zeichen, die auch mit Symptomen der Lebergegend einhergehen können. Dies würde in der westlichen Medizin nicht notwendigerweise
mit einer Lebererkrankung verbunden sein
(„Leber-Funktionskreis“ oder hepatischer Orbis).
Auch Agenzien (Krankheitsauslöser) wie beispielsweise „Wind“ (ventus) stellen sich physiologisch als Derivate eines Zugluft-Abwehrreflexes dar. Sie können über den Mastzell-Substanz-P-Mechanismus zur Schwellung von Augen, Nase und Tonsillen, durch Auslösung motorischer Reflexe aber auch zu Tortikollis oder Myogelosen führen.
Auch der Begriff der „Energie“ reduziert sich auf seinen
technischen Gehalt, z. B. auf die vegetative Arbeitsbereitschaft eines Gewebes,
die sensorisch als Fluss-,
Zug- oder Dehnungsgefühl wahrgenommen werden kann.
Die klinischen Zeichen, die dann eine Wandlungsphase kennzeichnen,
entsprechen sehr genau den Orbes (Funktionskreisen FK).
Orbes sind demnach die klinische Manifestation einer
regulativ
bedingten vegetativen Funktionstendenz, die man
Wandlungsphase nennt (siehe Abb. 4).
Kann soviel Mathe eigentlich alt-chinesisch sein? Diese
Kreisfunktionslogik durchzieht bereits das I Ging, die bedeutendste klassische Schrift
Chinas. Die versteckten
mathematischen Zusammenhänge erschienen dem deutschen Gelehrten
Leibnitz bereits im 17 Jahrhundert derartig augenfällig, dass der aus dem I
Ging die binäre Logik
entwickelte, die heute Grundlage der Computerlogik ist, z.
B. auch in Form der Barcodes der Supermärkte. Als Anschauung mathematischer
Bezüge in der chinesischen Kultur wollen wir
uns die „Sinuskurve“ der Regulation, von Yin, Yang und den WP deshalb genauer anschauen.

Abb. 3: Die „Sinuskurve“ der Regulation
Im Yang-Teil der Kurve bewirkt das Prinzip der Regulation
(der Sollwert, die Erde) einen Richtungswechsel nach
unten. Diese Wirkung des Sollwertes stellen wir symbolisch als einen
Punkt (1) auf der x-Achse, der Linie des Sollwertes, dar.
Ebenso stellen wir fest, dass im Yin-Teil der Kurve
eine Wirkung des Prinzips der Regulation (des Sollwertes, der Erde) nach oben
erfolgt, was wir entsprechend als Punkt (3) auf der Linie
des Sollwertes darstellen können.
Man kann durch Projektion eine Kreisfunktionen sowohl als Kreis
als auch als Sinuskurve darstellen. Eine Drehbewegung an der Kurbel eines
Leierkastens sieht, wenn der Leierkasten
vorüber fährt, aus wie ein sinusartiges Auf und Ab der Hand.
Die Umformung ergibt dann die über 2.000 Jahre alte Windrosenschreibweise der
WP (siehe Abb. 5). Mit ihr kann man
analog einer Vektorrechnung vegetative Funktionsgleichgewichte beschreiben.

Abb. 5
Man kann aber auch beide Formen der Kreisfunktion in einer
Abbildung zusammenziehen: Zeichnen wir einen Kreis um das Gesamtbild, in dem
die Sinuskurve bereits enthalten ist,
so entsteht das Fou qi Zeichen. Dieses Zeichen kommt aus der Song-Dynastie, etwa aus dem 9. bis 10. Jahrhundert. Yang besteht demnach aus Holz und Feuer, Yin aus Metall und Wasser.
Abb. 6: Fou qi Zeichen
Wir interpretieren das Fou qi Zeichen daher als ein Emblem, das grundlegende mathematische
Bedeutung für die Beschreibung von Kreisbewegungen und Regulationen hat.
Es symbolisiert, dass Yang und Yin
Begriffe der Regulation sind und durch die Wandlungsphasen näher differenziert werden
können.
Die Anwendung der regulativen Kurve beschränkt sich nicht
auf die Theorie von Yin und Yang, die hier nur
verkürzt wiedergegeben werden kann.
Vielmehr lassen sich alle vier Physiologiemodelle der CM in Sinuskurven
fassen und einfache Wirkbeziehungen setzen.
Weiterführende Anwendungen der Theorie erklären die
„Geschmacksrichtungen“ (sapores) als vegetative
Wirkrichtungen, den Begriff des Yin-Mangels und die
Sechs-Stadien-Lehre
des shang han
lun.
Das wichtigste aber zum Schluss:
Die Therapie, auf diesen klassischen Grundsätzen beruhend, ist nachweislich erfolgreicher als Rezeptakupunktur.
Anschrift des Autors:
Dr. med. Johannes Greten
Karlsruherstr.12a
69126 Heidelberg
[Carl-Hermann Hempen]
Grundlagen der klassischen Akupunktur
Unter Akupunktur versteht man eine spezifische Behandlung
bestimmter Hautareale unter Verwendung von Nadelstichen (acus
= lat. Nadel; pungere = lat. stechen). Diese Therapieform ist in Jahrtausenden in
China entwickelt worden. Die genaue chinesische Bezeichnung lautet »zhenjiu«, was bedeutet, dass man sowohl mit der Nadel (zhen) als auch mit der Erwärmung durch abbrennende
Beifußkegel oder -zigarren (jiu), auch Moxibustion genannt, diese Orte reizt. Die Übersetzung
dieser Therapieform lautet also Acu-Moxi-Therapie.
Die Hautareale, welche sich zur Behandlung spezifischer Erkrankungen besonders
eignen, wurden über mehrere Jahrtausende erfasst. Einen vorläufigen Abschluss
fand die Zusammenstellung im 17. Jahrhundert mit der Beschreibung von 361
klassischen Punkten, davon 309 paarigen. Diese »Punkte«, Orte auf der Haut,
heißen im Chinesischen »shuxue« (lat.
foramen), wobei »shu« die
Bedeutung von induzieren, beeinflussen hat und »xue«
die Bedeutung von Öffnung, Höhlung, Vertiefung. Eine genauere Zuordnung dieser
Punkte zu anatomischen Strukturen bzw. zu naturwissenschaftlich (mit den
Mitteln der modernen Physiologie bzw. Diagnostik) fassbaren Funktionseinheiten
wurde noch nicht vorgenommen. Vielfach wird aber eine Beziehung zum
körpereigenen Endorphinsystem bzw. zu den Head-Zonen
diskutiert.
1. Das energetische System
Durch diese foramina
(Akupunkturpunkte) kann man also aufgrund ihrer Eigenschaft als »Öffnung« auf
ein dahinterliegendes System induktiven Einfluss
ausüben. Seit Jahrtausenden wurde ein »Energie-führendes«
System, das durch die Akupunkturpunkte (foramina)
erreichbar ist, nicht nur als Notwendigkeit postuliert, sondern immer wieder
klinisch erprobt. Die fließende »Energie« im geforderten System wird in ihrem
aktiven Aspekt in der chinesischen Medizin als »qi«,
in ihrem stofflichen Aspekt als »xue« bezeichnet. Das
»qi« zu erreichen und zu beeinflussen ist das Ziel
des Akupunkteurs.Die das »qi«
führenden Bahnen werden Leitbahnen (chin. jing-luo, lat. sin-arterien) oder auch Meridiane genannt.
2. Das
physiologische Modell
Nach den Vorstellungen der chinesischen Pathologie
traditioneller Prägung werden alle Lebensäußerungen des Menschen (körperliche,
psychische, emotionelle, funktionelle) in einer differenzierten und
sinnfälligen Weise 5 verschiedenen Funktionsbereichen (lat.
orbes) zugeordnet, welche teilweise mit
Organbezeichnungen etikettenhaft belegt sind. So
spricht man von einem:
Funktionsbereich
Leber (orbis hepaticus)
Funktionsbereich
Herz (orbis cardialis et pericardialis)
Funktionsbereich
Milz »Mitte« (orbis lienalis)
Funktionsbereich
Lunge (orbis pulmonalis)
Funktionsbereich
Niere (orbis renalis).
Alle klinischen Daten, sowohl physiologische wie
pathologische, die nach den Regeln der chinesischen Diagnostik erhoben werden,
können diesen einzelnen Bereichen zugeordnet werden und erfahren dadurch eine
spezifische Wertung.
Weiterhin zeigen alle Leitbahnen bei einer Affektion ein spezifisches pathologisches Bild, wobei neben
der Topographie auch funktionelle generalisierte Störungen eine Rolle spielen
können. Die krankhafte Entgleisung der Funktionslage in einem Bereich (orbis) kann in unterschiedliche Richtungen weisen. Die
chinesische Diagnostik spricht von Leitkriterien, wobei folgende Qualitäten
unterschieden werden:
eine Verminderung
oder Erhöhung der Dynamik in einem Bereich (algor-
oder calor-Zeichen)
die Eindringtiefe
eines krankhaften Prozesses (species- oder intima-Zeichen)
die relative
Stärke einer von außen eingedrungenen Schädigung oder die relative Schwäche der
»Konstitution« (repletio- oder inanitas-Zeichen).
Die Schädigung des Systems kann sowohl auf äußere (Agenzien)
wie auch auf innere Faktoren (Emotionen) zurückzuführen sein. Beispielhaft für
äußere Agenzien sind »Wind«- Erkrankungen (ventus)
und »Feuchtigkeits«-Erkrankungen (humor),
wobei die chinesische Pathologie diese Begriffe klinisch genau definiert. Eine
Entsprechung in den Begriffen der westlichen Pathophysiologie
gibt es bisher nicht.
3. Das Leitbahnsystem
Das Leitungssystem wird auch mit einem wasserführenden
Kanalsystem verglichen. Dieses Leitbahnsystem wird rhythmisch pulsierend im
Brustbereich beginnend mit »qi« versorgt, welches
zirkulierend in 12 Abschnitten durch dieses System bewegt wird. Nach der
Topographie, ob an der Innen- oder Außenseite liegend, werden die Leitbahnen
als Yin (innen) oder Yang (außen) gekennzeichnet. Ein
Zyklus hat folgenden Verlauf:
von der Brust zur
Hand, Arminnenseite (Yin)
von der Hand zum
Kopf, Armaußenseite (Yang)
vom Kopf zum Fuß,
Rumpf-Beinaußenseite (Yang)
vom Fuß zur Brust, Beininnenseite (Yin).
Nacheinander werden 3 derartige Zyklen auf nahezu parallelen
Bahnen durchflossen, woraus sich (3 x 4 Abschnitte) die 12 Hauptleitbahnen
ergeben. Nur diese Hauptleitbahnen (cardinales) sind
über die oben beschriebenen Akupunkturpunkte (foramina)
erreichbar. Erweitert wird dieses energetische Hauptverkehrsnetz durch eine
enger werdende Vernetzung mit
8 unpaarigen Leitbahnen,
15 Netzbahnen sowie
12
Muskelleitbahnen.
Lediglich 2 unpaarige Leitbahnen, die in der
Körpermedianen liegende »Leitbahn der Steuerung« (chin.
dumo, lat. sin-arteria regens) am Rücken
liegend, und die »Aufnehmende Leitbahn« (chin. renmo, lat. sin-arteria
respondens) über die Bauchseite ziehend, weisen
eigene foramina auf.
Klassischerweise erhalten sämtliche Hauptleitbahnen eine
abgestufte Qualifizierung nach Yin und Yang. Aufgrund
klinischer Erfahrungen läßt sich jedoch weiterhin
eine Zuordnung zu den einzelnen Funktionsbereichen durchführen. Die Yin-Leitbahnen des Armes weisen eine besondere Affinität zu
den Funktionsbereichen auf, deren anatomisches Substrat in der oberen
Körperhälfte zu finden ist, nämlich den orbes cardialis, pulmonalis und pericardialis. Die Yin-Leitbahnen
des Beines zeigen einen Bezug zu den orbes hepaticus, lienalis et renalis. Die Yang-Leitbahnen sind entsprechend dem
zyklischen Verlauf jeweils als Außenbereich den Yin-Funktionsbereichen
angegliedert. (Beispiel: cardinalis lienalis [Yin] ist gekoppelt mit
der cardinalis stomachi
(Yang); cardinalis pulmonalis
[Yin] ist gekoppelt mit der cardinalis
intestini crassi [Dickdarm]
[Yang]. So besteht der 1. Zyklus aus den 4 Leitbahnen:
cardinalis pulmonalis (Yin der Hand)
cardinalis intestini crassi (Yang der Hand)
cardinalis stomachi (Yang des
Beines)
cardinalis lienalis (Yin des Beines).
4. Die Ordnung der Punkte
Auf allen Hauptleitbahnen finden sich Akupunkturpunkte (foramina) gleicher Qualitäten. Dadurch erhält das System
der »parallelen Bahnen« eine zusätzliche Struktur und somit alle
Akupunkturpunkte eine praktikable Ordnung. Bei gleich qualifizierten foramina spricht man auch von funktionellen Kategorien
(weil nach Funktionsgruppen geordnet). So gibt es:
Einflusspunkte (Induktorien) des Rückens
für jeden
Funktionsbereich einen paravertebral gelegenen
Akupunkturpunkt
Sammlungspunkte
auf der Bauchseite
ebenfalls für
jeden Funktionsbereich einen
Anknüpfungspunkte
(Nexorien), welche eine Querverbindung zwischen 2
gekoppelten Leitbahnen herstellen
Spaltpunkte (Rimica), welche auf jeder Leitbahn für deren
Durchgängigkeit sorgen
Punkte, an denen
auf das »Ursprungs-qi« einer jeden Leitbahn Einfluss
genommen werden kann (foramen qi
originalis)
5 Einflusspunkte (quinque inductoria)
diese finden sich distal von Ellbogen und Knie auf jeder Leitbahn.
5.
Beschreibungsmuster der Akupunkturpunkte (foramina)
Eingebettet in das energetische Entsprechungssystem
unterliegt jeder Akupunkturpunkt einem festen Muster, das insbesondere auch
seine therapeutische Bedeutung wiedergibt.
Name, welcher oft
seine klinische Bedeutung andeutet
Topographie
Leitbahnzugehörigkeit, welche angibt, auf welcher Leitbahn der Punkt
liegt, und damit auch eine klinische Aussage macht
spezielle
Qualifikationen: ob der Punkt zu einer oder mehreren funktionellen Kategorien
gehört
Wirkung: die
wichtigste Aussage über jeden Punkt: hier wird ausgesagt, in welcher Richtung
seine therapeutische Wirkung gemäß einer chinesischen Diagnose zielt
Befunde und
Indikationen, klinische beispielhafte Angaben, die den Einsatz dieses Punktes
rechtfertigen (jedoch nicht zu verwechseln mit seiner Wirkung)
Kombinationen
(therapeutisch bewährte) mit anderen Punkten
Behandlungstechnik, wie zu nadeln ist, wann »gemoxt«
werden sollte etc.
6. Therapie
Nach traditioneller Lehre werden zur Reizung der
Akupunkturpunkte in erster Linie Stahl-Nadeln benutzt, wobei die Modalität und
Stichtiefe sowohl von der Topographie des Punktes als auch vom gewünschten
therapeutischen Effekt abhängen. Bei Letzterem gilt es hauptsächlich zu
unterscheiden, ob der Therapeut eine sogenannte
zerstreuende Wirkung (dispulsive, das
Energiepotential mindernde Therapie) beabsichtigt oder im Gegenteil eine
ergänzende (suppletive, Energie zuführende) Therapie.
Eine bestimmte Form der Mehrung von Energie, nämlich von
aktiver, wärmender, ist die Behandlung mit abbrennendem Beifußkraut, als
Zigarren oder als Kegel, auch Moxibustion genannt
(japanisch mogusa für das chinesische jiu). Trotz wichtiger klassischer Regeln in der Therapie ist
jedem Therapeuten ein großer Freiheitsraum gegeben, so z.B. ob er wenige oder
viele Nadeln verwendet, paarig oder einseitig therapiert etc. In neuerer Zeit
werden zur Reizung der Punkte Methoden wie Laser-Technik, elektrische Reizung
von Nadeln, Injektionen diverser Pharmaka in die
Akupunkturpunkte und anderes versucht. Auch hat man neben den klassischen 361
Punkten zunehmend »Neupunkte« oder Punkte außerhalb der Leitbahnen mit in die
therapeutische Erweiterung eingebaut. Inzwischen zählt man über 2000 nicht
systematische Punkte.
Ohrakupunktur (Aurikulo-Medizin) ist
wahrscheinlich westlichen oder arabischen Ursprungs und hat in den letzten
Jahren in Westeuropa sehr an Bedeutung gewonnen.
Obwohl ohne historischen Bezug zur traditionellen
chinesischen Medizin und der Acu-Moxi-Therapie, wird
sie auch in China angewandt.
Nach klassischer Vorstellung entspricht das Ohr dabei dem
Modell eines auf dem Kopf stehenden Fetus, wobei die Helix
als die nach außen gekrümmte Wirbelsäule anzusehen ist. Organe und einzelne
Körperabschnitte projizieren sich so auf die Ohrmuschel und werden einer
Stimulation durch Nadeln etc. zugänglich.
Anwendungsgebiete der Ohrakupunktur sind vor allem Störungen des Bewegungsapparates (z.B. Ischialgien) und Schmerzzustände funktioneller Art sowie Migräne;
P5 »Moorsee am
Fußpunkt« (lat. lacus pedalis)
Akupunktur
Leitbahn: cardinalis pulmonalis (Lungen-Meridian)
Qualifikation: Verbindungspunkt der Leitbahn, von dem man das in der Tiefe liegende Substrat des orbis pulmonalis erreichen kann. Außerdem wird dieses foramen dem »Wasser« zugeordnet,
was schon durch seinen Namen angedeutet wird und auf seinen
kühlenden Effekt hinweist.
Wirkung: Das qi der »Mitte« wird stabilisiert, das qi pulmonale wird gekräftigt; auf diese Weise wird sein ausgleichendes Gewicht gegenüber dem orbis hepaticus hergestellt.
Feuchtigkeit (humor) wird
beseitigt, Hitzesymptome (calor) werden gekühlt.
Befunde - Indikationen:
Gedunsenheit, Tympanie,
Völlegefühl, Druck auf der Brust, asthmatische Beschwerden (alles Zeichen für calor humidus, feuchte Hitze)
ziehende wandernde
Schmerzen in Brust und Oberarm, häufiges Niesen, Unruhe, Schulterschmerzen,
Tennisellbogen (Wind = ventus-Schädigungen im Verlauf
der Leitbahn)
periodisches
Fieber, Husten, gelblicher Auswurf, Weinerlichkeit (Hitze = calor-Befunde
bei einer energetischen Schwäche [inanitas] im orbis pulmonalis)
Neuerdings findet dieses foramen
in China auch Verwendung bei Husten, Asthma, Pneumonie, Pleuritis, Hämoptoe, Halsschwellung
Technik: Nadelung senkrecht 10 bis 20 mm; Moxibustion möglich.
Akupunktur Punkt - LU 5 - Chize - Moorsee am Fußpunkt
|
Punkt |
Name |
|
|
|
|
Moorsee am Fußpunkt |
|
Lage |
Qualifikation |
Wirkung |
|
|
Element: Wasser |
- LU Qi absenkend - wandelt Schleim um - wandelt und leitet Feuchtigkeit - kühlt Hitze - LU Yin stützend - NI Yin stabilisierend |
|
Indikation |
Technik |
|
|
|
Moxibustion möglic |
|
http://www.tcm-info.ch/index.php?option=com_content&task=view&id=459&Itemid=93
S36 »Dritter Weiler
am Fuß« (lat. vicus tertius pedis)
Leitbahn: cardinalis stomachi (Magen-Meridian)
Qualifikation: Verbindungspunkt (also einer der »Fünf Einflusspunkte« der Leitbahn), der wie bei P5 die Verbindung nach innen herstellt. Der ganze Funktionsbereich der »Mitte«
(orbes lienalis
et stomachi) ist im Chinesischen als »Erd-Phase«
qualifiziert, und dieses foramen hat einen betonten
Bezug zur »Erde«. So eignet sich dieser Punkt ganz besonders, stützend auf
diesen zentralen Bereich des Individuums Einfluss zu nehmen.
Wirkung: Die »Mitte« (orbes lienalis et stomachi) wird gestützt
und reguliert, die aktive Energie (qi) und die Säfte
(xue) werden harmonisiert. Befunde - Indikationen:
Jede Symptomatik, bei der Schwäche-Zeichen (inanitas)
der »Mitte« oder Feuchtigkeits-Belastungen (humor)
zugrunde liegen, wie: Spannungsgefühl im Bauch, Völlegefühl, Schmerzen im
Oberbauch, Verdauungsbeschwerden, Gedunsenheit,
Ödemneigung, allgemeine Erschöpfungszeichen.
Von der Gastritis bis zum allgemeinen Leistungsabfall, von
der Schocksymptomatik bis zum Asthma kann das Leistungsspektrum dieses foramens reichen. In der Prophylaxe gilt die Behandlung
dieses Punktes als eine klassische Maßnahme, wobei die Annahme Vorrang hat,
dass hiermit die erworbene Konstitution nachhaltig gestützt werden kann.Aus diesen Gründen zählt dieses foramen
zu den am häufigsten verwendeten Akupunkturpunkten.
Technik: Senkrechte und schräge Nadelung 15-40 mm; Moxibustion ist möglich und besonders bei der selbstdurchgeführten Prophylaxe üblich.
IC4 »Vereinte Täler«
(lat. valles coniunctae)
Leitbahn:
cardinalis intestini crassi (Dickdarm-Meridian)
Qualifikation: Es ist der Ort, an dem man das »Ur-qi« dieser Leitbahn unmittelbar erreichen kann. Das »Ur-qi« dieses Bereiches entspricht der außen wirkenden
Wehr-Energie.
Wirkung: Wind-Schädigungen (ventus)
werden zerstreut, die Oberfläche (species) wird
gelöst, also offen gehalten. Schmerz wird gelindert, und das Leitbahnsystem
wird durchgängig gehalten.
Befunde - Indikationen: Frühstadien eines grippalen Infektes
oder einer Erkältungskrankheit bilden eine ideale Indikation, da derartige
»Wind-Schädigungen« durch die Oberfläche wieder ausgetrieben werden können.
Kopfschmerzen, schweißloses Fieber, Schnupfen, Halsschmerzen.
Weiterhin werden auch »Wind-Schädigungen« inneren Ursprungs mit diesem foramen therapiert, wie: Hemiplegie, Exanthemkrankheiten, Facialisparese, Augenbeschwerden mit Schmerzen,
Kopf-/Zahnschmerz.
Technik: Senkrechte Nadelung 10-20 mm, aber auch Moxibustion möglich.
L6 »Die Verbindung
der drei Yin« (lat. copulatio trium yin)
Leitbahn: cardinalis lienalis (Milz-Meridian)
Qualifikation: Wie der Name schon sagt, verbinden sich in
diesem foramen die 3 Yin-Leitbahnen
des Fußes.
Wirkung: Der orbis lienalis wird gekräftigt, Feuchtigkeits-Belastungen (humor) werden umgewandelt, der orbis
hepaticus wird entspannt, der orbis
renalis gestützt; der Säfteumlauf
wird gesteigert.
Befunde - Indikationen:
Schwäche-Zeichen (inanitas) der »Mitte«, wie: Unterleibsbeschwerden,
Müdigkeit, Gliederschwere, Diarrhö, Übelkeit, Brechdurchfall
Schwäche-Zeichen (inanitas) des orbis renalis: Miktionsstörungen, Schwäche der Beine und der
Lenden, Regelstörungen, Impotenz, erschwerte Geburt, Abortus
Hitze-Befunde (calor) der Säfte (xue): Blutungen
außerhalb der Regel, ausbleibende Regel, Unterleibsgeschwüre
Bei Prozessen im kleinen Becken ist dieses foramen wegen seines breiten Wirkungsspektrums sehr
bewährt.
Technik: Sowohl senkrechte Nadelung 8-15 mm, schräge
Nadelung 20-30 mm als auch Moxibustion ist üblich.
T5 »Äußeres Passtor«
(lat. clusa externa)
Leitbahn: cardinalis tricalorii (3-Erwärmer-Meridian)
Qualifikation: Verknüpfungspunkt der Leitbahn, über den eine Querverbindung zur gekoppelten Leitbahn (in diesem Falle cardinalis pericardialis) hergestellt wird.
Außerdem kann man über dieses foramen
eine sogenannte »Unpaarige Leitbahn« (in diesem Fall
das »Haltenetz des Yang«) stimulierend beeinflussen.
Wirkung: Die Oberfläche wird geöffnet, Hitze- (= calor)Schädigungen werden zerstreut, das Leitbahnsystem
wird durchgängig gemacht, Blockaden des qi werden
beseitigt.
Befunde - Indikationen: Kopf-/Ohrenschmerz, Tinnitus, Taubheit, Paresen im
Gesichtsbereich
Schmerzen in den
Fingern, Verspannungen des Ellbogengelenks
Fieber, Grippe,
Parotitis, Bauchschmerzen, Enuresis
Technik: Nadelung 5 bis 15 mm; auch Moxibustion
möglich.
V40 »Mitte des
Staugewässers« (lat. medium
lacunae)
Leitbahn: cardinalis vesicalis (Blasen-Meridian)
Qualifikation: Verbindungspunkt (also einer der »Fünf Einflusspunkte« der Leitbahn), der wie S36 die Verbindung nach innen herstellt. Dieses foramen wirkt auf den Leitbahnverlauf und
so auf den gesamten Rücken.
Wirkung: Die orbes renalis und hepaticus werden
gestützt und reguliert, das Yang wird gebändigt, Hitze-Befunde (Calor) werden gekühlt, Knie und Lenden werden gestärkt.
Befunde - Indikationen:
Fieber ohne
Schweiß, Wechselfieber, Brechdurchfälle, Enuresis
Paresen, spastische Lähmungen, Schmerzen und Schwellungen
der Lenden und Beine, Ohnmacht
Schwäche (inanitas) des orbis renalis: Schwitzen bei leichtesten Anstrengungen und im
Schlaf, Geschwüre auf dem Rücken
Rückenschmerz,
Verrenkungen, Kniegelenksentzündung
Technik: Eine senkrechte Nadelung von 10-20 mm ist üblich, bei akuten Lumbalbefunden ist auch eine blutige Nadelung sinnvoll, um gestaute Energiebeträge auszuleiten.
An old Chinese medical chart on acupuncture meridians
Element Holz Feuer Erde Metall Wasser
Geschmack sauer bitter süß scharf salzig
Yin-Organ Leber Herz Milz/Pancreas Lunge Niere
Zeit 1 h. - 3 h. 11 h. - 13 h. 9 h. - 11 h. 3 h. - 5 h. 17 h. - 19 h.
Yang-Organ Gallenblase Dünndarm Magen Dickdarm Blase
Zeit 11 h. - 13 h. 13 h. - 15 h. 7 h. - 9 h. 5 h. - 7 h. 15 h. - 17 h.
Jahreszeit Frühling Sommer Erntezeit/Spätsommer Herbst Winter
Klima Wind Hitze Feuchtigkeit Trockenheit Kälte
Emotion Wut Freude Sorgen Trauer Angst
Farbe blau/grün rot gelb weiß/hellgrau blau/schwarz
19 h. - 21 h. Pericardium or Circulation/Sex (the meridian of relaxation, generosity)
21 h. - 23 h. Thyroid/Thymus (the meridian of hope)
China: Die fünf Elementenlehre basiert auf fünf angenommenen Grundelementen (xíng), vielleicht besser zu übersetzen als Wandlungsphasen oder Aktionsqualitäten. Erde wandelnd, umwandelnd, verändernd: Fruchtbildung
TCM: Leber = Sitz der Seele. Im alten China zeigte der Henker nach Hinrichtung eines Verbrechers dessen Leber dem Publikum, um pathologische Größe und Aussehen dieses Organs als Ursache seines Fehlverhaltens zu demonstrieren.
Maximalzeit der Leber (hat am Meisten Energie) 1 - 3 h.; läuft in der Leber ein entzündlicher Prozess ab, so tritt dann eine Verschlimmerung ein mit Alpträumen, Aufwachen, Heißhunger usw.
Minimalzeit der Leber (hat Minimum an Energie) 13 - 15 h. Weiteres Zeitpunkt, an dem sich (chronische) Leberleiden 16 - 17.30 h. In dieser Zeit bekommt der Patient seine Leberdepression und ist nicht fähig, ernsthaft zu arbeiten. Dieser Zeitpunkt ist der günstigste, um Leberarzneien zu verabreichen.
Die Leber regeneriert nachts, während der vagotonen Phase. Kann man Lebertherapeutika nicht wie oben verwenden, sollte man sie abends nehmen. Dies gilt besonders für vagoton wirkende Arzneimittel wie die Cholinsalze.
TMC: treat many different symptoms and conditions, but essentially diseases arising from a weakness in the kidneys. A yin or yang weakness in the kidneys which then gives rise to all the other problems.
Power of the kidney are the root force in human beings. The kidney is the root of life, basis of all primary yin and yang forces in the organism on which the other organs feed. Renal functions are described as follows: Governs birth, growth, procreation and development
Produces marrow, fills brain and bones
Transformation of water
Opens up into the ears.
Grundregeln
1. Holz bewirkt Feuer, wird zerstört durch Metall
2. Feuer bewirkt Erde, wird zerstört durch Wasser
3. Erde bewirkt Metall, wird zerstört durch Holz
4. Metall bewirkt Wasser, wird zerstört durch Feuer
5. Wasser bewirkt Holz, wird zerstört durch Erde
Einschränkung
1. Holz wird durch Wasser bewirkt, doch zu viel Wasser schwemmt das Holz fort.
2. Feuer wird durch Holz bewirkt, doch zu viel Holz gibt eine Feuersbrunst.
3. Erde wird durch Feuer bewirkt, doch zu viel Feuer verdorrt den Erdboden.
4. Metall wird durch Erde bewirkt, doch zu viel Erde verschüttet das Metall.
5. Wasser wird durch Metall bewirkt, doch zu viel Metall verunreinigt das Wasser.
1. Holz bewirkt Feuer, doch zu viel Feuer verbrennt das Holz selbst.
2. Feuer bewirkt Erde, doch zu viel Erde löscht das Feuer.
3. Erde bewirkt Metall, doch zu viel Metall schwächt den Erdboden.
4. Metall bewirkt Wasser, doch zu viel Wasser bringt das Metall zum Sinken.
5. Wasser bewirkt Holz, doch zu viel Holz saugt das Wasser auf.
1. Holz bedrückt Erde, doch zuviel Erde bricht das Holz.
2. Feuer schmilzt Metall, doch zu viel Metall löscht das Feuer.
3. Erde aufsaugt Wasser, doch zu viel Wasser schwemmt die Erde fort.
4. Metall schneidet Holz, doch zu viel Holz, wenn hart, bricht das Metall.
5. Wasser löscht Feuer, doch zu viel Feuer kocht das Wasser.
1. Holz, wenn weich, wird durch Metall leicht zerbrochen.
2. Holz zu hart, wird durch Feuer zum Bearbeiten brauchbar.
1. Feuer, wenn zu schwach, wird durch Wasser leicht gelöscht.
2. Feuer zu stark, wird durch Erde eingeschränkt.
1. Erde, wenn zu weich, wird durch Holz leicht zersprengt.
2. Erde zu hart, wird durch Metall gelockert.
1. Metall, wenn zu weich, wird durch Feuer leicht geschmolzen.
2. Metall zu hart, wird durch Wasser beim Schleifen glatt.
1. Wasser, wenn zu wenig, wird durch Erde leicht aufgesogen.
2. Wasser zu viel, wird durch Holz nutzbar gemacht.
Rückenschmerz kann sowohl organische als auch psychische Ursachen haben. Oft beeinflussen sich diese Komponenten gegenseitig. Verschleiß, Verrenkungen der
kleinen Wirbelgelenke (ungeschickte, plötzliche Bewegung), Fehlbelastungen, Bewegungsmangel und Stress können zu schmerzhaften Verspannungen der Rückenmuskulatur führen.
TCM: Niere = für den Rücken verantwortlich. Sie stärkt und wärmt den Rücken, gibt den Knochen und dem Haar Kraft.
Außerdem reguliert sie den Wasser- und Mineralhaushalt und ist Sitz der Lebenskraft, Willensstärke, Libido und Fortpflanzung. Ist die Energie der Niere geschwächt, treten Symptome wie Müdigkeit, Kraftlosigkeit, Konzentrationsschwäche, Schmerzen und Kältegefühl im unteren Rücken, Ohrensausen,
vermehrtes Wasserlassen und Angstzustände auf. Nachlassen des Hörvermögens/der Sehkraft/frühzeitig ergrautes Haar o. Haarausfall lassen sich auf eine Funktionsstörung
der Niere zurückführen.
Nierenenergie gefördert von: Ein guter Lebensrhythmus, der für ausreichenden Schlaf, regelmäßige körperliche Bewegung und Entspannung sorgt, eine ausgewogene Ernährung und tägliches
Trinken von 1 - 1,5 Litern Flüssigkeit: Vermeiden: Kaffee- und Alkoholkonsum/vor Kälte schützen (Rücken).
Akupunktur wirkt sehr gut bei schmerzhaften Muskelverspannungen und chinesische Kräuter helfen geschwächte Niere wieder zu stärken. Wichtig ist es den Teufelskreis aus
Schmerz und Muskelverspannung zu durchbrechen.
Was die Schulmedizin tun kann: chirotherapeutische Maßnahmen/entzündungshemmende Medikamente/Schmerzmittel. Krankengymnastik/Wärmeanwendungen/Massagen/Reizstrombehandlung.
Wichtig ist es einen Bandscheibenvorfall zu erkennen/auszuschließen.
Wahrscheinlich blockieren die von den Nadeln ausgehenden Nervenreize die Weiterleitung von Schmerzsignalen im Rückenmark. Bewiesen ist, dass durch die Akupunktur
körpereigene, schmerzhemmende Substanzen (Endorphine) und Botenstoffe im Gehirn (Neurotransmitter) produziert werden, die auf die Körperfunktionen einwirken.
Durchblutung verbessert/Schmerz gelindert/Muskulatur entspannt.
Lignum aquilaria agallocha: As stimulant and digestive.
It stimulates the channels kidney, spleen and stomach: Used for stagnant Qi patterns with such symptoms as distension, pain, or a feeling of pressure in the epigastric of abdominal region or if there is coldness in the organism and the blood becomes congealed. Then wood aloe helps move the Qi and alleviates the pain. It directs the Qi downward and balances.